Im Jahr 1972 veröffentlichten Christine und Ernst Ulrich von Weizsäcker den Aufsatz “Wiederaufnahme der begrifflichen Frage: Was ist Information?” in der Zeitschrift Nova Acta Leopoldina (Band 206).
Sie untersuchten dabei die Bedeutung der Begriffe “Erstmaligkeit” und “Bestätigung”. Mit Sicherheit hatten die Autoren damals nicht primär an Marketing, sondern eher an Erkenntnistheorie, Kybernetik und Evolution gedacht.
Für meine eigenen Forschungen war dieser Aufsatz eine wichtige Inspiration. Zunächst ist der Titel schon äußerst bemerkenswert. Er suggeriert, dass Handlungsbedarf besteht, den Begriff der Information besser zu durchleuchten. Ist Information nicht etwas selbstverständliches? Etwa ein Eintrag in einer Datenbank oder unser binäres Maß – ein Bit Information als die Information die wir erhalten, wenn eine JA/NEIN-Frage beantwortet wird, bei der jeweils mit 50 % JA bzw. NEIN erwartet wird.
Ernst Ulrich von Weizsäcker ist der Sohn des Physikers Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker. Seine Frau Christine ist Biologin. Vielleicht ist es die Synergie der Fachbereiche Physik und Biologie, die einen erst auf die Idee kommen lässt, dass der Informationsbegriff unzureichend erfasst ist.
Ein Streifzug durch Google Books verrät auch, dass sich zahlreiche Wissenschaftler durch den oben zitierten Aufsatz haben inspirieren lassen. Und nun – 38 Jahre später – entwickelt sich die mathematische Erfassung des Begriffs “Erstmaligkeit” quasi zum Turbo des Neuromarketing.
Eine meines Erachtens geniale künstlerische Interpretation von “Surprise” zeigt folgender Kurzfilm:
Die Wirkung des Films beruht sicher auch daruf, dass sich (zunächst) kein Kausalnexus erschliesst. Die Pointe am Schluss markiert den Umkehrpunkt unserer Erwartungshaltung. Beim zweiten Betrachten vollzieht sich der Wechsel von “Erstmaligkeit” zu “Bestätigung”.
Neue Serienformate aus den USA (zum Beispiel LOST) setzen – bewusst oder unbewusst – auf dieses Prinzip. Die Erstmaligkeit wird quasi zum Bestandteil der Erwartungshaltung.